Über 20 Prozent der Pflegeanträge werden abgelehnt

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Jeder fünfte der Antragsteller erhielt kein Pflegegeld, wie aus einer Anfrage der Linken im Bundestag jetzt hervorging.

Anfang des Jahres trat die Pflegereform in Kraft. Seit diesem Zeitpunkt wurden 20 Prozent der gestellten Anträge auf Pflegegeld abgewiesen.

Von den Medizinischen Diensten der Krankenversicherungen wurden knapp 350.000 Erstgutachten angefertigt. Bei über 70.000 Versicherten konnte man keine Pflegestufe nachweisen. Damit erhielten 20 Prozent der Antragsteller kein Pflegegeld, wie aus einer Anfrage der Linken im Bundestag jetzt hervorging. Immerhin gut 25 Prozent der Antragsteller wurden bis Mai 2017 in der Pflegestufe 1 eingeordnet.

Erfreulich ist im Vergleich die Ablehnungsquote, denn sie ist im Jahr 2017 gesunken. Vor der Einführung der Reform wurden bei über 30 Prozent der Antragsteller keine erheblich reduzierte Alltagskompetenz festgestellt. Deshalb konnten sie keine Leistungen erhalten.

Die Partei übte trotzdem heftige Kritik an der Pflegereform. Immerhin 45 Prozent der Antragsteller konnten höchstens in Pflegestufe 1 eingeordnet werden, damit bleiben rund 50 Prozent der Erstantragsteller seit Anfang des Jahres ohne eine professionelle Betreuung im Pflegefall, argumentieren die Verantwortlichen.

Von einer Bedarfsdeckung sei das weit entfernt, denn ein Antrag auf Pflegegeld werde nicht ohne Not gestellt. Damit kommt man zu dem Ergebnis, dass die Pflegereform die Pflege in Deutschland nicht nachhaltig stärken konnte. Eine grundlegende Veränderung an der Finanzierung sei somit erforderlich.

Der Vorschlag der Linken geht dahin, eine Solidarische Pflegeversicherung einzuführen. Aus allen Einkommen soll in die Pflegeversicherung eingezahlt werden, damit jeder bessere Leistungen erhalten könne. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Medienbericht hervor.

Zu berücksichtigen ist dabei natürlich, dass sich die Parteien längst im Wahlkampf befinden. Forderungen dieser Art dürften in den kommenden Monaten also noch verstärkt laut werden.

Trotzdem steckt hinter jedem abgelehnten Antrag auf Pflegegeld ein individuelles Schicksal, bei dem die Pflegebedürftigen und die Angehörigen auf Unterstützung durch professionelle Pflege angewiesen sind, die bei fehlender staatlicher Leistung privat finanziert werden muss.

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