Trauerarbeit nach türkischem Grubenunglück

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Über 30 Prozent der Angehörigen können eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.

Das Unglück im Bergwerk der türkischen Stadt Soma dürfte für einige der Angehörigen eine Posttraumische Belastungsstörung mit sich bringen, sämtliche Betroffenen werden noch Jahre brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Bei der schwersten Bergwerkskatastrophe in der türkischen Geschichte waren über 300 Bergleute ums Leben gekommen, es kam zu Unruhen und Ausschreitungen am Unglücksort. Der deutsche Psychologe Georg Pieper vom IFT (hessisches Institut für Traumabewältigung) hatte 1988 in Borken die Betroffenen nach dem dortigen Grubenunglück betreut, er schätzt die Folgen als prekär ein.

PTSB in einem Drittel aller Fälle

Über 30 Prozent der Angehörigen entwickeln demnach eine Posttraumatische Belastungsstörung. Das ist ein weitaus höherer Prozentsatz als unter Soldaten, die aus Kriegsgebieten heimkehren (rund 10 – 15 %). Die ersten Symptome seien aktuell aber noch nicht sichtbar, so Pieper, sie treten nach der Schockphase auf. Diese dauert etwa vier Wochen. Danach trauern zwei Drittel der Angehörigen auf normale Weise, beim verbleibenden Drittel stellen sich Schlaflosigkeit, Ängste und immer wieder auftauchende Bilder ein. Die geborgenen Bergleute fühlen eine Überlebensschuld und können in Depressionen verfallen, Angehörige reagieren mit tiefster, unsäglicher und scheinbar unheilbarer Verzweiflung. Wenn es eine Heilung gibt, dauert sie nicht unter einem Jahr, so der Psychologe, der das Verhalten des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan am Unglücksort als “maßlos kontraproduktiv” bezeichnete.

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