Stottern – noch keine Hilfe in Sicht

kindraumbreit
Nach wie vor gibt es in Deutschland ein großes Defizit an Wissen und Information über das Stottern.

Stottern ist eine Sprechstörung und keine Sprachstörung, denn wer stottert weiß ja genau was er sagen möchte, er ist aber nicht in der Lage es auszusprechen. Leider reagieren viele Mitmenschen verlegen darauf und versuchen das Gespräch zu beenden, wenn sie merken, dass sie mit einem Stotterer sprechen. Unverständnis und sogar Hohn und Spott machen sich oftmals breit. Der Leiter des Sprechtherapie-Instituts Parlo in Calden bei Kassel will daher am Welttag des Stotterns am 22. Oktober die Menschen für das Thema sensibilisieren.

Es gibt etwa 800.000 permanent stotternde Menschen in Deutschland. Die meisten von uns wissen aber eigentlich viel zu wenig über die Sprechstörung, erklärt der Psychologe. Viele finden es einfach nur peinlich und lächerlich. Nach wie vor gibt es in Deutschland ein großes Defizit an Wissen und Information über das Stottern. Das liegt sicher auch daran, dass stotternde Menschen nicht eben sehr wortreich über ihr Problem diskutieren mögen. Sie neigen eher dazu, sich völlig zurück zu ziehen und den Kontakt zu anderen Menschen drastisch zu reduzieren.

Selbst prominente Stotterer tun sich schwer damit, sich zu outen. Wer weiß denn schon, dass Marylin Monroe stotterte, aber auch Bruce Willis als Kind damit Probleme hatte und „Der Graf“, Sänger der Band Unheilig ebenfalls stottert. Er verweigerte sogar für einige Zeit das Sprechen. Man riet ihm letztendlich sogar von einem Beruf ab, in dem er viel Kontakt zu Menschen hat.

Wenn es schwer fällt den eigenen Namen auszusprechen

Stotterer sind durchaus in der Lage die passenden Worte zu finden, lediglich die Fähigkeit, die beabsichtigten Worte adäquat zu formulieren ist beeinträchtigt. Für viele Betroffene ist es erstaunlicherweise besonders schwer ihren eigenen Namen zu sprechen, weil sie befürchten, dass ein Stottern beim eigenen Namen besonders negative Reaktionen bei den Zuhörern auslösen könnte.

Die Sehnsucht nach einem Wundermittel ist daher natürlich riesengroß. Das Wissen um die genauen Ursachen des Stotterns wird durch immer neue Ansätze stetig spezifiziert. Doch noch ist vieles dabei unklar. Mit Sicherheit weiß man, dass die Störung über alle Kulturen hinweg ähnlich oft und familiär gehäuft vorkommt. Die genetische Komponente steht dabei im Vordergrund. In aktuellen Studien hat man subtile Veränderungen der linken Hirnhälfte, in der für Sprechmotorik und Hören zuständigen Region, festgestellt.

Am Charakter liegt es jedenfalls nicht, wenn ein Kind stottert. Kinder die stottern sind weder ängstlicher oder verhaltensauffälliger und auch nicht depressiv oder dümmer als andere Kinder.

Fazit
Noch gibt es leider keine Wunderpille, die Stottern heilen kann. Man kann aber sehr erfolgreich daran arbeiten, nicht mehr unter seinem Stottern zu leiden.

Mehr zum Thema

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Wer Informationen und Beratung zu Stottern, Selbsthilfe und Therapie sucht, kann sich gerne an die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) wenden. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, gegründet vor fast 40 Jahren von Stotternden für Stotternde, Angehörige, Fachleute und Interessierte. Unter bvss.de/welttag/2014 entsteht übrigens fortlaufend eine schöne Aktionsliste zum diesjährigen Welttag des Stotterns (22. Oktober).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.