Psychologie heute: Diagnose „psychisch krank“

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Die Tendenz psychischer Erkrankungen weist seit Jahren scheinbar nur noch nach oben, doch wie werden psychische Erkrankungen eigentlich diagnostiziert?

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Die Diagnose einer ernsten psychischen Erkrankung ist ein mehrschneidiges Schwert. Sie soll dem Betroffenen helfen, die richtige Therapie zu finden, sie kann aber auch stigmatisieren, zudem ist sie – ärztlich bescheinigt – die amtliche Voraussetzung für Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Tendenz psychischer Erkrankungen weist seit Jahren scheinbar nur noch nach oben, doch wie wird das eigentlich festgestellt? Das ist ein Thema, das nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Wirtschaftsunternehmen und nicht zuletzt die BU-Versicherer beschäftigen muss. Leiden wir wirklich unter immer mehr psychischen Erkrankungen, oder haben sich nur die Diagnosekriterien geändert? Die Frage ist so neu nicht, schon 1969 untersuchte der amerikanische Psychologieprofessor Dr. David Rosenhan in Undercover-Experimenten, wie in verschiedenen US-Einrichtungen Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen diagnostiziert und bekämpft wurden. Er misstraute standardisierten Methoden, behielt Recht und initiierte in den Folgejahrzehnten eine dramatische Verbesserung der Untersuchungen.

Das Diagnoseverfahren, auch DSM genannt, bleibt umstritten: Das in den 1970er Jahren auf Dr. Rosenhans Initiative hin erstmals erschienene Standardwerk „Diagnostic and Statistical Manual-of Mental Disorders“ (DSM) gilt heute als Leitfaden der Diagnose, doch Experten zweifeln an der Aussagekraft. Der Amerikaner Dr. Allen Frances, der in den 2000er Jahren bei der Arbeit an der vierten, heute gültigen Fassung (DSM-4) den Vorsitz innehatte, kritisiert die Überbewertung der aufgezeigten Symptome. Das DSM solle ein Leitfaden, keine Bibel sein, so Dr. Frances. Die ab Januar 2014 erscheinende fünfte Fassung verwische inzwischen die Grenze zwischen Krankheit und Gesundheit, mit dramatischen Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Volkswirtschaft. Man solle psychische Erkrankungen wieder auf Kernfälle einschränken, so Allen Frances. Das schaffe wesentlich mehr gesellschaftliche und ökonomische Perspektiven.

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