Psychologie beim Elfmeterschießen

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Sportpsychologen bestätigen enorme Anspannung beim Elfmeterschießen.

Der Krimi im WM-Spiel Brasilien gegen Chile am letzten Samstag (28.06.14) mit der Entscheidung im Elfmeterschießen hat wieder einmal bewiesen, welche Rolle die Psychologie bei diesem Duell Schütze gegen Torwart spielt. Brasilien gewann knapp vor allem dank seines zuvor heftig kritisierten Torwarts Julio Cesar, der zwei Schüsse der Gegner hielt und hinterher im Interview hemmungslos weinte. Niemand wisse, so der Brasilianer, was er durchgemacht habe. Das klingt pathetisch, Sportpsychologen bestätigen jedoch die enorme Anspannung beim Elfmeterschießen.

Entscheidung per Elfmeter in jedem fünften WM-Spiel

Die Statistiker haben mitgerechnet: In den letzten 60 Jahren wurden 20 Prozent der WM-Spiele per Elfmeterschießen entschieden, das ist eine Quote deutlich über der in den meisten Ligen. Ob das Tor nach dem Schuss fällt, steht nach den Erkenntnissen eines deutschen Sportpsychologen-Teams schon fest, bevor der Fuß des Schützen den Ball berührt. Die Forschergruppe hatte ihre Analysen kurz vor der WM veröffentlicht, drei Jahrzehnte akribischer Elfmeter-Auswertung waren eingeflossen. Erfolgreich sind demnach eher Linksschützen – Torwarte können sich schlechter auf sie einstellen – und weniger die Publikumslieblinge, die unter zu hohem Druck stünden, so die Wissenschaftler. Die verblüffendste Aussage betrifft die des Schützen- nicht des Torwartgehirns. Dass sich letzterer schon vor dem Schuss für die Richtung entscheidet, in die er springen wird, ist hinlänglich bekannt. Jedoch kann auch der Schütze bis 400 Millisekunden vor dem Schuss die anvisierte Bewegung des Torwarts identifizieren – und seine Schussrichtung daraufhin ändern.

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