Private Krankenversicherung: Verbraucherschützer warnen vor Tariftests

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Verbraucherschützer warnen vor Tariftests: Testergebnisse für die Tarife der privaten Krankenversicherung sollten unbedingt mit Vorbehalt betrachtet werden.

Für viele Versicherte ist ein aktuelles Testergebnis ein wichtiger Anhaltspunkt, wenn sie sich für einen neuen Tarif für die private Krankenversicherung entscheiden wollen. Wer mit seinem Versicherer nicht zufrieden ist oder ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis wünscht, strebt vielleicht einen Versicherer- oder Tarifwechsel an. Dazu beruft man sich gerne auf die neuesten PKV-Testergebnisse.

Im Augenblick werden aber verstärkt Warnungen von Versicherungsexperten und Verbraucherschützern laut, nach denen man solche Untersuchungen unbedingt mit Vorbehalt betrachten sollte. Einen „besten Tarif für die private Krankenversicherung“ für eine bestimmte Berufsgruppe kann es nach aktuellen Medienberichten ebenso wenig geben wie einen Toptarif, der für jeden Versicherten gleichermaßen geeignet ist.

Der Grund für die Skepsis der Experten liegt auf der Hand: Wenn ein PKV-Tarif für den einen Versicherten passt, bedeutet das noch lange nicht, dass er auch zum Bedarf eines anderen Verbrauchers passt. Im schlimmsten Fall entscheidet man sich sogar aufgrund einer vordergründig guten Empfehlung aus einem Testbericht für einen Tarif, der dann gar nicht den Anforderungen an den persönlichen Versicherungsbedarf entspricht. Ist der Tarif aber erst einmal abgeschlossen oder hat man sogar den Versicherer gewechselt, ist es schwierig, hier noch Korrekturen vorzunehmen, da viele Tarife für eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren abgeschlossen werden müssen.

Das große Problem bei solchen pauschalen Empfehlungen liegt in den Versicherungsbedingungen. Im Kleingedruckten sind die größten Unterschiede zu finden, die sich dem Verbraucher auf den ersten Blick nicht erschließen. Oft sind die Bedingungen und vor allem die Leistungsausschlüsse sogar für Experten nur schwer zu verstehen. Auch Experten nehmen sich nur ungern die Zeit, die vielen Paragraphen zu lesen, zu verstehen und zu hinterfragen.

Offenbar kam es in der jüngeren Vergangenheit verstärkt zu Problemen von Verbrauchern, wenn ein Tarifwechsel zu schnell und nur auf der Basis von Testempfehlungen durchgeführt wurde. Gerade deshalb warnt man im Augenblick davor, voreilig vorzugehen und einen neuen PKV-Tarif nur aufgrund von brandaktuellen Testergebnissen durchzuführen.

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1 Kommentar

  1. Kein Vergleich von Vollversicherungen kann tatsächlich ein reales Preis- / Leistungsverhältnis messen, obwohl dies regelmäßig versucht wird. Besonders absurd ist, wenn die Tester hervorheben, wie wichtig die langfristige Beitragsstabilität ist und dann jedoch den (aktuellen) Preis mit 60 % oder mehr gewichten. Wenn ein PKV-Anbieter bei gleicher Leistung jedoch sehr günstig ist, dann darf bezweifelt werden, dass die Kalkulation gleichermaßen solide wie die der teureren Anbieter ist. Eine solide Kalkulation kostet mehr, weil z. B. mehr Geld für die steigenden Krankheitskosten im Alter zurückgestellt wird. Hilfreich wäre, wenn die im Beitrag enthaltenen Vorsorgemaßnahmen explizit ausgewiesen würden. Was den persönlichen Bedarf angeht: Natürlich will nicht jeder Kunde den Top-Schutz bezahlen. Dennoch will ihn jeder, der mal ernsthaft erkrankt. Die PKV steht für bestmögliche medizinische Versorgung und daher ist die Empfehlung immer richtig, einen möglichst umfassenden Tarif abzuschließen. Es sollten nur Leistungen abgewählt werden, deren Bedarf man für den Rest seines Lebens ausschließen kann. Und wer weiß denn schon, was alles kommen kann? Wer weniger absichert, sollte auf jeden Fall eine Option auf Höherversicherung einschließen und diese dann auch rechtzeitig ziehen.

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