Placebo-Effekt bei Schmerzmitteln wird immer stärker

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Die Wissenschaftler nahmen sich für die Studie die Daten von zahlreichen Patienten mit chronischen, neuropathischen Schmerzen vor und verglichen diese miteinander.

In klinischen Studien der vergangenen Jahre schneiden Arzneistoffe gegen neuropathische Schmerzen immer schlechter ab. Nicht, weil ihre Wirksamkeit im Laufe der Zeit nachgelassen hätte, sondern weil immer deutlicher ein vermehrter Placebo-Effekt zu verzeichnen ist, der das Bild verzerrt. Das heißt also nicht, dass die Schmerzmittel unwirksam sind, sondern die Placebo, nach Meinung der Patienten, „besser“ wirken, obwohl sie ja eigentlich absolut keine Wirksamkeit besitzen.

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Dieses interessante Ergebnis wurde jetzt von kanadischen Forschern im Fachjournal «Pain» veröffentlicht. Die Wissenschaftler nahmen sich für die Studie die Daten von zahlreichen Patienten mit chronischen, neuropathischen Schmerzen vor und verglichen diese miteinander. Besonders bei diesen Patienten lässt sich die Intensität der Schmerzen nur sehr schwer einschätzen, was sicher auch eine Rolle bei dem zu verzeichnenden Anstieg des Placebo-Effekts spielt und diesen erklären könnte.

Nachdem 84 solcher Studien über dreizehn Jahre mit 92 verschiedenen Arzneimitteln ausgewertet wurden, bestätigte sich diese Vermutung auch.

Die Gründe für das interessante Placebo-Phänomen könnten aber auch darin liegen, dass die immer größer, länger und teurer werdenden Studien die Erwartungen der Patienten in Bezug auf die Wirksamkeit der getesteten Mittel nicht erfüllen und sie diese daher eher als unwirksam empfinden.

Das sieht auch der Neurowissenschaftler Fabrizio Benedetti so, der seit Jahren an der Universität Turin über die Wirkung der Scheinmedikamente forscht. Der Anstieg der Wirksamkeit von Placebo liegt seiner Meinung nach aber auch daran, dass die Patienten im Rahmen großer, klinischer Studien in der heutigen Zeit sehr viel persönlicher und individueller betreut werden und somit anscheinend oft überfordert sind, wenn es darum geht, die Wirkung von Medikamenten und Placebo zu beurteilen. Denn je größer eine Studie aufgezogen wird, desto größer ist auch der Placebo-Effekt zu verzeichnen.

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