MDK: Mängel bei Pflegebegutachtung offensichtlich

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Zukünftig müssen die Gutachter verstärkt auf die individuelle Situation des Patienten achten.

Wenn der Pflegefall in der Familie eintritt, sind die Betroffenen ebenso wie die Angehörigen erst einmal völlig überfordert. Es gilt, die passende Betreuung für den Patienten zu finden und die Zahlung der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung anzufordern. Ein wichtiger Bestandteil ist dazu die Einordung in eine Pflegestufe und die Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Doch gerade hier waren in der Vergangenheit offenbar gravierende Defizite zu verzeichnen, die sich erst bei näherem Hinsehen offenbaren.

Angemerkt wurden die Mängel von den Vertretern des Medizinischen Dienstes selbst. In Zukunft müssen die Gutachter verstärkt auf die individuelle Situation des Patienten achten. Auch soll das Vorgehen bei der Begutachtung genauer erklärt werden. Durchschnittlich stehen für eine Begutachtung nur knapp sieben Minuten zur Verfügung. Für eine individuelle Betreuung ist das schlicht zu wenig. Die Kritik an der Arbeit des MDK kam im Rahmen einer Studie auf, die das Marktforschungsinstitut M + M Management + Marketing aus Kassel im Namen des Medizinischen Dienstes durchgeführt hatte. Zwar seien die Versicherten grundsätzlich mit dem Verfahren zufrieden und bestätigen den Mitarbeitern des MDK eine gute und zuverlässige Arbeit sowie einen respektvollen Umgang mit den Kranken. Doch das allein reicht noch nicht aus, um eine vernünftige Einstufung in die richtige Pflegestufe durchzuführen.

Von Patientenschützern kommt deshalb auch recht deutliche Kritik am Medizinischen Dienst. Zwar betonte man auch dort den höflichen Umgang mit dem Patienten. Doch weitaus wichtiger ist offenbar, dass mehr als 30 Prozent der Gutachten falsch ausgestellt werden. In immerhin 40 Prozent führen eingelegte Widersprüche am Ende zum Erfolg. Das zeigt, dass das Erstgutachten offenbar in vielen Fällen nicht zuverlässig erstellt wurde.
Zukünftig ist geplant, das Befragungsverfahren auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff umzustellen. Dann geht es nicht mehr um die verwendete Minutenzahl pro Tätigkeit, sondern um die Einschätzung der Alltagskompetenz. Damit sollten sich einige Probleme hoffentlich lösen.

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