Männer oft Opfer häuslicher Gewalt

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Untersuchung zu häuslicher Gewalt zeigt, dass Männer beinahe ebenso häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen

Das Robert-Koch-Institut hat im letzten Quartal 2013 eine Untersuchung zu häuslicher Gewalt vorgenommen, die alle Familienmitglieder betreffen sollte. Die Ergebnisse wurden Ende Januar 2014 vorgestellt, sie überraschten: Männer werden fast ebenso oft von ihren Frauen geschlagen wie umgekehrt – es spricht nur niemand darüber.

Mangelnde Opferakzeptanz

Männer schämen sich, sprechen nicht über die heimische Gewalt und den teilweise überbordenden Hass, zudem haben sie große Schwierigkeiten, sich als Opfer zu fühlen und sich dementsprechend zu verhalten, also Hilfsangebote anzunehmen und nötigenfalls auch Anzeige zu erstatten. Allein deshalb leiden sie mehr unter der häuslichen Gewalt, so die Autoren der Studie. Die Therapeutin Christa Roth-Sackenheim bemerkt dazu, das Thema sei insgesamt hoch tabuisiert, bei den Männern lösten zusätzliche Schamgefühle eine komplette Blockade aus – niemand spricht über die Vorfälle. Da Männern die Opferrolle traditionell nicht zugedacht wird, nehmen sie mehr oder weniger unbewusst die Schuld an der Gewalt auf sich. Sie wollen sich zudem fair verhalten und die Beziehung retten – teils mit fatalen Folgen. Es gibt Frauen, die ihre Männer irgendwann mit Gegenständen krankenhausreif schlagen.

Rechtzeitig die Konsequenzen ziehen

Hinsichtlich des Verhaltens gegenüber einem Gewalttäter sehen die Experten keinen Geschlechterunterschied. Wer einmal gewalttätig geworden sei, werde diese überschrittene Grenze immer wieder antesten und häufig ständig weiter ausreizen. Das betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Die Strategie, auf den nächsten Gewaltausbruch zu warten und dann „etwas zu unternehmen“ (häufig einen Diskussionsversuch), gehe fehl, so die Psychologen. Ein einmaliger Ausrutscher ansonsten beherrschter Personen könne daher unter Umständen und bei nur geringen Folgen verziehen werden, ein zweiter jedoch nicht. Die Betroffenen sollten vielmehr alles daran setzen, die Beziehung zu beenden – egal ob Mann oder Frau.

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2 Antworten

  1. Es ist eigentlich seit langem bekannt, dass Männer genauso oft von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen – nur dass es in der Regel ignoriert und sich Presse, feministische Kreise und sogar die Politik allein auf weibliche Opfer konzentrieren. Das verzerrt die Wahrnehmung, verhindert Hilfsangebote für Männer, verringert die Akzeptanz männlicher Opfer und schlägt sich so – quasi als selbsterfüllende Prophezeiung – auch in den Hellfeldzahlen nieder, wobei Täterinnen inzwischen selbst da mit 20% und mehr auftauchen. Frauen sind allerdings etwas öfter von schweren Verletzungen betroffen, aber nicht, weil Männer gewalttätiger als Frauen wären, sondern einfach, weil sie durchschnittlich über größere Kräfte und eine robustere Konstitution verfügen.
    Häusliche Gewalt kommt auch bei jüngeren Männern vor: Ohrfeigen, geworfene Tassen (gern auch mit Inhalt), ein Tritt zwischen die Beine usw. Selbst in den Medien, im Film und Fernsehen wir so etwas gerne auch noch als „witzig“ oder gar „gerechtfertigt“ dargestellt, was das Problem derer, die von so einer Gewalt betroffen sind, noch verschärft.
    Der Verein MANNdat hat aus diesem Grund übrigens einen Ratgeber für männliche Opfer häuslicher Gewalt geschrieben, der empfehlenswert ist – und interessant, gerade auch die darin enthaltenen Fallbeispiele: https://manndat.de/gewalt-gegen-maenner/haeusliche-gewalt-was-tun-als-maennlicher-betroffener.html

  2. Mich würde bei dieser Studie mal interessieren ob bei Gewalt gegen Männer diese altersunabhängig vorfällt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gewalt gegen Männer auch schon bei jungen Pärchen vorhanden ist. Ich würde eher vermuten, dass hiervon eher ältere Paare betroffen sind. Aber vielleicht irre ich mich auch.

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