Macht Stress egoistisch?

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Foto: ©iStock.com/kivoart
Stress – Studie an Meeresvögeln: Forscher der Vet-Med-Uni Wien vermuten, dass Stress Lebewesen egoistischer macht.

Stress macht egoistisch. Das haben Forscher aus Wien und Danzig nun durch umfassende Untersuchungen an Meeresvögeln festgestellt. Auf Menschen kann das Forschungsergebnis allerdings nicht ohne weiteres übertragen werden.

Studie an Krabbentauchern

Forscher der Vet-Med-Uni Wien vermuten, dass Stress Lebewesen egoistischer macht. Grundlage für die Vermutung ist ein Test, der jüngst im „Journal of Ornithology“ veröffentlicht wurde und die starke Wirkung des Stresshormons Kortikosteroid auf die Krabbentaucher zeigt.
Unter Aufsicht der Danziger Forscherin Dorota Kidawa wurde das Hormon mit Hilfe eines Implantats zunächst den Jungvögeln der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen eingepflanzt. Die jungen Felsenbrüter reagierten auf den künstlich erzeugten Stress mit erhöhtem Bettelverhalten: die Rufe nach Futter hatten Erfolg und brachten mehr Nahrung. Nach vier Wochen waren die Küken bereits deutlich kräftiger als die Vergleichsgruppe ohne Hormon-Implantate.

Gestresste Tiere fressen für sich

Im zweiten Versuch wurde das Stresshormon den ausgewachsenen Krabbentauchern zugeführt. Die erwachsenen Tiere kümmerten sich zwar weiterhin um den Nachwuchs, verzehrten die gesammelte Nahrung jedoch vermehrt auch selbst. Die scheinbare Belastungssituation reduziert demnach die Fürsorge der Eltern und sorgt für eine Umstellung des Verhaltens.
Die gestressten Vögel neigten im Test außerdem dazu, das Nest länger zu verlassen als üblich, um länger auf Nahrungssuche gehen zu können. Die Jungvögel der jeweiligen Eltern wiesen einen dementsprechend schlechteren Gesundheitszustand auf als die Tiere der Kontrollgruppe, die bei wenig gestressten Felsenbrütern aufgewachsen waren.

Biologisch ergibt das Testergebnis der Studie ebenfalls Sinn: In stressfreien Zeiten kann der Nachwuchs ohne Schwierigkeiten aufgezogen werden. Steigt allerdings der Stress, sichern die Eltern zunächst ihr eigenes Überleben, um später wieder gesunden Nachwuchs aufziehen zu können. Ob und wie sich dieses Menschen übertragen lässt und wie sich Stress auf die allgemeine Gefühlslage auswirkt, will die Vet-Med-Uni Wien nun in weiteren Studien ermitteln.

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