Kopf-Transplantation – Schrecken oder medizinisches Wunder?

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Foto: ©iStock.com/Sashkinw
Im Jahre 2017 soll der erste Kopf transplantiert werden – Ein Neuro-Wissenschaftler aus Italien hat jetzt verlauten lassen, dass er bereits in etwa zwei Jahren einen kompletten Kopf auf einen anderen Körper verpflanzen will und kann.

Für viele Patienten sind Transplantationen die letzte Hoffnung, die ihnen vielleicht ein Weiterleben ermöglichen. Ein Neuro-Wissenschaftler aus Italien hat jetzt verlauten lassen, dass er bereits in etwa zwei Jahren einen kompletten Kopf auf einen anderen Körper verpflanzen will und kann. Das klingt wie eine gruselige Horror-Geschichte mit der man Zombies in Verbindung bringt. Doch der Wissenschaftler ist der festen Überzeugung, dass er bald einen funktionsfähigen menschlichen Kopf auf einen anderen lebenden menschlichen Körper setzen kann. Im Fachmagazin New Scientist sprach er zum ersten Mal über dieses unglaubliche Vorhaben und erläuterte dabei einige Details. Über den genauen Hergang der Operation will der Wissenschaftler aber erst im Juni dieses Jahres bei der Jahreskonferenz der American Academy of Neurological and Orthopaedic Surgeons (AANOS) informieren und dort seine Operations-Methode vorstellen.

Allerdings ist der italienische Neuro-Wissenschaftler nicht der einzige Forscher, den dieser Gedanke, der an die Geschichten von Frankenstein erinnert, fasziniert. Bereits im Jahre 1970 ist einem amerikanischen Neurologen genau dieses Experiment geglückt, doch lediglich bei einem Rhesusaffen. Der Affe konnte sich allerdings nach dem Eingriff nicht mehr bewegen und starb nach nur neun Tagen.

Das Zusammenfügen von Nerven, Rückenmark und zwei verschiedenen Immunsystemen war damals, wie heute auch, die größte Herausforderung an diesem spektakulären Vorhaben. Das sieht der italienische Neuro-Wissenschaftler genauso. Das größte Problem besteht ohne Frage darin, das Rückenmark von Kopf und Rumpf zu verbinden. Das muss so geschehen, dass Impulse weitergeleitet werden können. Um dies zu erreichen muss eine hohe Zahl von feinsten Nervensträngen miteinander verbunden werden. Sollte dem italienischen Forscher das gelingen, könnte man zukünftig Leben verlängern und zum Beispiel Querschnittsgelähmte wieder zum Gehen bringen. Das wirft allerdings, neben den medizinischen, auch ethische Fragen auf, die spätestens 2017 in den Ethikkomissionen wieder heftig diskutiert werden.

Eine weitere Hürde ist, dass in jedem Darm ein ganz eigenes Gedächtnis zu finden ist.
Dieses Gedächtnis wird von frühester Kindheit an erlernt. Es handelt sich um das sogenannte Bauchhirn. Wenn der Körper und mit ihm auch die biologischen Erinnerungen mit den neuronalen Erinnerungen eines fremden Kopfes zusammengefügt werden kann das weitreichende Folgen haben.

Das Operations-Verfahren selbst ist, wenn auch nur bruchstückhaft, bekannt. Es funktioniert ähnlich wie bei einer Verschmelzung von Gummi oder dem Zusammenkleben von Nudeln bei Hitze. Die Nervenverbindungen sollen genauso durch hohe Temperaturen zum Zusammenwachsen gebracht werden. Um das zu erreichen muss man Kopf und Körper erst einmal in ein sogenanntes Frost-Koma versetzen. Dadurch bewirkt man, dass sich die Einzelteile dann nach und nach an die neuen Bedingungen gewöhnen können.

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