GKV durch Fitness-Apps in der Kritik

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Foto: ©iStock.com/Sashkinw
Der Verbraucherzentrale Bundesverband befürchtet sogar, dass ein Umbruch der klassischen Gesundheitsversicherung droht.

In der gesetzlichen Krankenversicherung scheint sich ein Kulturwandel abzuzeichnen. Fitness-Apps sind derzeit im Trend. Wer sich daran beteiligt, darf mit erheblichen Beitragsnachlässen rechnen. Doch dieses scheinbar gute Geschäft für Versicherte und für die Krankenkassen ruft die Verbraucherschützer auf den Plan. Sie sehen das System der gesetzlichen Krankenversicherung gefährdet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband befürchtet sogar, dass ein Umbruch der klassischen Gesundheitsversicherung droht.

Als einen Angriff auf das Solidarprinzip bezeichnet der Präsident des Bundesverbands der Verbraucherzentrale den neuesten Versicherungstrend. Persönliche Daten über Ernährung, Sport und Wohlbefinden gehören zu den sensiblen Angaben, die eigentlich nicht in die Hände eines Versicherers gehören. Mit dem Angebot, Versicherungsprämien zu reduzieren, sofern die Daten übergeben werden und in Ordnung sind, spricht man gezielt junge Menschen und gesunde Versicherte an. Sie haben die Chance, durch eine Teilnahme an den Programmen gut und günstig versichert zu sein. Für ältere und kranke Menschen ist das System dagegen nicht geeignet. Wenn sie Gesundheitsdaten veröffentlichen, kann der Versicherungsschutz für sie sogar noch teurer oder schlechter werden. Im schlimmsten Fall könnte aus dieser Politik sogar eine Zwei-Klassen-Gesellschaft werden, wie man sie heute schon aus der privaten Krankenversicherung kennt.

Ob sich diese Befürchtung bewahrheitet, bleibt wohl abzuwarten. Noch ist völlig unklar, welche Gesellschaften sich der Nutzung von Gesundheits-Apps anschließen und ihren Kunden bei einer Teilnahme einen attraktiven Rabatt anbieten. Sofern allerdings Wahlfreiheit gegeben ist und der Versicherte sich entscheiden kann, ob er die Gesundheits-Apps nutzen will, um dadurch Beiträge zu sparen, dürfte die Gefahr nicht allzu groß sein, zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft zu kommen. Ganz im Gegenteil könnte sich dadurch zeigen, dass die Krankenkassen vermehrt auf ihre Versicherten eingehen und ein maßgeschneidertes Produkt für jeden Bedarf anbieten können. Damit könnte auch die gesetzliche Krankenversicherung in Zukunft noch attraktiver werden und wieder mehr Versicherte an sich ziehen, die sich heute eher für die private Krankenversicherung entscheiden.

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