Fibromyalgie mit Cannabis behandeln?

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Foto: ©iStock.com/Tempura
Bundestag Entscheidung: Cannabis zukünftig für schwer Kranke auf Rezept.

Wie der Bundestag am 19. Januar entschieden hat, gibt es künftig für schwer Kranke die Möglichkeit, Cannabis auf Rezept zu erhalten. Bisher mussten die Kosten für eventuelle Alternativtherapien selbst getragen werden. Viele Menschen, die von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, spastischen Schmerzen wie etwa bei Multipler Sklerose oder Fibromyalgie betroffen sind oder ein nur stark eingeschränktes Leben aufgrund von rheumatischen Beschwerden führen, hat diese Nachricht aufatmen lassen. Cannabisblüten und -extrakte, welche die aktiven Wirkstoffe Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) enthalten, können außerdem zur Appetitanregung etwa im Rahmen der Krebstherapie oder bei AIDS genutzt werden.

Cannabis nicht nur Rauschgift, sondern Medizin

Hanf gilt als eine der ältesten Heilpflanzen der Welt. Einige sprechen sogar von einer Art Wunderdroge, schließlich wirkt Cannabis gefäßerweiternd und kann somit Kopfschmerzen lindern und auch bei erhöhtem Blutdruck helfen. In jüngster Vergangenheit gab es einige Fallstudien zur Hanfpflanze. Größer angelegte Studien sind in Zukunft zu erwarten. Die Forscher um De Filippis konnten 2008 zeigen, dass Cannabis aufgrund seiner mastzellstabilisierende Wirkung entzündungshemmend wirkt. Mastzellen wirken wie ein körpereigenes „Sanitäterteam“. Bei Verletzungen, bakteriellen oder viralen Angriffen von außen sind sie zur Stelle und schütten Entzündungsmediatoren wie Prostaglandin und Histamin aus.

Bei Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose sind die Mastzellen aufgrund eines „Fehlalarms“ ebenfalls zur Stelle, greifen jedoch keine fremden Eindringlinge an, sondern bekämpfen körpereigene Zellen. Derartige Vorgänge, etwa durch überaktive oder instabile Mastzellen, werden auch als Ursache der erhöhten Schmerzempfindlichkeit von Fibromyalgie diskutiert. Die genaue Ursache des Fibromyalgie-Syndroms liegt jedoch nach wie vor im Dunkeln. Eine familiäre Häufigkeitsverteilung deutet auf eine genetische Disposition hin. Andere mögliche Ursachen, die diskutiert werden sind Vitamin-D-Mangel sowie Lebensstilfaktoren von Rauchen bis Übergewicht.

Eigenanbau weiterhin illegal

Bis die genauen Wirkzusammenhänge und die Entstehung von Fibromyalgie geklärt sind, könnte Cannabis für Betroffene Linderung schaffen. Ob Cannabispräparate verschrieben werden, wird jedoch nach Einzelfall beurteilt. Eine Garantie, dass man das Medikament erhält, gibt es nicht. Der Eigenanbau ist auch in der neuen Gesetzesform nicht zulässig. Stattdessen wird eine staatliche Cannabis-Agentur in Zukunft die Versorgung sicherstellen. Bis die deutsche Produktion gesichert ist, wird auf Quellen auf dem Ausland zurückgegriffen. Als Joint sollte das Präparat jedoch vorzugsweise nicht geraucht werden. Dies kann zu Reizungen der Atemwege führen. Milder und ähnlich wirksam ist die innerliche und äußerliche Anwendung des hochkonzentrierten Öls, das aus den Blüten gewonnen wird.

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