Experiment zur Eigenwahrnehmung

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Macht der Superman-Fantasien – Experimente zeigen, dass Probanden ihr eigenes Verhalten stark beschönigend wahrnehmen

Wir sollten uns selbst nicht allzu sehr über den Weg trauen, meinen die Psychologen David DeSteno und Piercarlo Valdesolo von der Universität in Boston. In mehreren Experimenten wiesen sie nach, dass Probanden ihr eigenes Verhalten stark beschönigend wahrnehmen – auch, wenn sie über andere durchaus realistisch urteilen. „Superman-Effekt“ nennen das die Forscher: Mensch überhöht sich gern, und zwar in jeder Lebenslage.

Verzerrtes Selbstbild

Alles, was wir über uns zu wissen glauben, hat unser Gehirn einer Beschönigung unterzogen. Alltäglich sind Vorfälle, bei denen wir einen Rempler im Bus (durch eine andere Person) ärgerlich auf die Ignoranz dieses Menschen schieben, unseren eigenen Rempler aber prompt mit den Umständen entschuldigen: die Enge, das scharfe Bremsmanöver. Diese Art von Rempler begehen wir ständig, ohne uns im rechten, sprich objektiven Licht zu betrachten. Das betrifft leider auch unser engstes Umfeld. Wer hat schon wirklich ein klares Bild über seine Versäumnisse und teils schweren Fehler im Familienkreis?

Wie schlimm ist die moralische Heuchelei?

Das kommt darauf an, meinen die beiden Bostoner Experten. Das Phänomen an sich könne zu Kriminalität, innerfamiliärer Gewalt, Gleichgültigkeit, Machtmissbrauch und vielen weiteren unangenehmen Verhaltensweisen führen. Im Normalfall jedoch kalkulieren unsere Mitmenschen unseren Selbstirrtum ein – wie wir es bei ihnen auch machen. Als im Alltag prekär erweist sich der „Superman-Glauben“ an sich selbst manchmal bei beruflichen Entscheidungen: Menschen trauen sich allzu oft allzu viel zu. Das Gegenteil sei natürlich ebenso anzutreffen, aber weit weniger häufig, so die Psychologen. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass wirkliche Könner vielfach auch wirklich bescheiden sind – das könnte sogar der Hauptgrund für ihre Erfolge sein.

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