Bundesversicherungsamt: GKV muss Zusatzbeiträge verlangen

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In einem aktuellen Interview warnt der Präsident des Bundesversicherungsamtes nun vor drohenden Zusatzbeiträgen, die von den gesetzlichen Krankenkassen ab Januar 2015 verlangt werden könnten.

Wie kaum eine andere Institution hat das Bundesversicherungsamt in Bonn Einblick in die wirtschaftliche Lage der gesetzlichen Krankenkassen. In einem aktuellen Interview warnt der Präsident des Amtes nun vor drohenden Zusatzbeiträgen, die von den gesetzlichen Krankenkassen ab Januar 2015 verlangt werden könnten. In der GKV zeichnet sich nämlich offenbar ein Trend ab, nach dem im ersten Halbjahr 2014 weitaus mehr Geld ausgegeben wurde als die Krankenkassen einnehmen konnten.

Zwar weist das Bundesversicherungsamt darauf hin, dass viele Krankenkassen in den ersten sechs Monaten des Jahres Prämien und andere freiwillige Leistungen gezahlt haben, doch auch der allgemeine Anstieg der Kosten um rund drei Prozent aus den vergangenen zehn Jahren fällt bei der GKV auf. Da die Einkommen aber nur um rund zwei Prozent gestiegen sind, ergibt sich eine Lücke, die entweder mit staatlichen Zuschüssen oder mit zusätzlichen Beiträgen geschlossen werden muss. Vor diesem Hintergrund könnte es sich abzeichnen, dass viele Krankenkassen schon im kommenden Jahr Zusatzbeiträge erheben müssen. Dies dürfte umso mehr gelten, als dass der Beitragssatz im Januar auf 14,6 Prozent des Einkommens sinken wird. Das Bundesversicherungsamt geht deshalb nach aktuellen Schätzungen davon aus, dass sogar 90 Prozent der Kassen weitere Beiträge erheben müssen. Das könnte nur verhindert werden, wenn die Krankenkassen vorhandene Rücklagen abbauen.

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang ein allgemeiner Trend am Krankenkassenmarkt sein, nachdem viele Krankenkassen verstärkt auch Leistungen übernehmen, die nicht im Pflichtenheft der GKV stehen. Häufig werden beispielsweise Kosten für osteopathische Leistungen erstattet, denn damit können sich die Versicherer untereinander sehr gut gegeneinander abgrenzen. Auch Prämienzahlungen werden fast regelmäßig geleistet, dadurch unterscheidet sich eine Krankenkassen vom Wettbewerb. Insgesamt dürften die Krankenkassen mehr und mehr in die Selbstverantwortung genommen werden, ihre Einnahmen und Ausgaben in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten. Dennoch dürfte der anhaltende Kostendruck zu weiteren Zusatzbeiträgen bei vielen Versicherern führen.

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2 Antworten

  1. Diese Rücklagen wurden nicht „angehäuft“, sondern waren seinerzeit politisch gefordert bzw. durchgesetzt worden. Ein paar Jahre und einen halben Regierungswechsel später hatte man diese Tatsache wohl verdrängt und plötzlich fette Beute in den Töpfen der GKV gewittert. Daher bediente sich auch Hr. Schäuble bereits bei der Finanzierung der Kassen. Weshalb man jetzt im politischen Lager der Meinung war just diese Gesetzesänderung im Eiltempo (circa sechs Monate von der Idee bis zum verabschiedeten Gesetz) durchsetzen zu müssen, erschließt sich mir nicht. Daher verstehe ich auch die Überraschung rund um die Erhebung der Zusatzbeiträge nicht. Noch weniger verstehe ich den Fingerzeig auf die Kassen, denn diese Entscheidung war nicht im Sinne der Kassen getroffen worden.

  2. Das kommt jetzt aber doch sehr überraschend. In den vergangenen Jahren hieß es doch immer, dass die gesetzlichen Kassen in Geld schwimmen und Überschüsse in Millionen oder waren es Milliarden angehäuft hätten. Wenn die Kassen nun langsam knapp bei Kasse werden, warum dann auf den Überschüssen sitzen bleiben. Wäre doch ein ausgezeichneter Zeitpunkt diese nun einzusetzen.

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