Behandlungsfehler: Kein Recht zur Nachbesserung

lupe_gr

Betroffene können zusätzlich Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen

Mit einer interessanten Entscheidung zugunsten von Patienten machte das Oberlandesgericht Jena vor wenigen Tagen auf sich aufmerksam: Hat ein Arzt einen Patienten schon einmal falsch behandelt, ist der Patient nicht verpflichtet, einer Nachbesserung durch diesen Arzt zuzustimmen. Vielmehr darf der Betroffene Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen. Schließlich dürfte es dem Patienten nicht zuzumuten sein, nach einem Behandlungsfehler noch einmal auf die Kompetenz des Mediziners zu vertrauen, so die Auffassung des Gerichts (Az. 4 U 549/11). Das Gericht begründete sein Urteil dann auch damit, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient durch diese Falschbehandlung nachhaltig gestört sei.

Der aktuelle Fall des Behandlungsfehlers im Überblick

Geklagt hatte eine Patientin, die ein Inlay und eine Krone erhalten sollte. Kurz nach der ersten Behandlung musste sie sich aufgrund von akuten Schmerzen allerdings einer nächtlichen Notbehandlung unterziehen, bei der sich herausstellte, dass unter dem angebrachten Zahnersatz noch eine Karies vorhanden war, welche nicht behandelt worden war. Nachdem der Fall durch mehrere Instanzen jeweils unterschiedlich beurteilt wurde, legt das Oberlandesgericht nun fest, dass der Patientin ein Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld zusteht. Auch stehe dem Arzt kein Recht zur Nachbesserung zu, da dies bei einer unentdeckten Karies nicht möglich sei.

Für Patienten in der GKV wie in der PKV ergibt sich daraus der Ansatz, einen Arztfehler immer verfolgen zu lassen. Im Zweifel muss man sich keinesfalls der Behandlung des unaufmerksamen Mediziners aussetzen, vielmehr ist es nach geltender Rechtsprechung nunmehr zulässig, einen anderen Facharzt aufzusuchen.

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