Attest am ersten Krankheitstag zulässig

Bisher hatten Arbeitnehmer in der Regel die Freiheit, erst am dritten Krankheitstag ein Attest ihres Arztes vorlegen zu müssen. Nun hat das Bundesarbeitsgericht in der letzten Woche allerdings ein wegweisendes Urteil gefällt und festgelegt, dass schon am ersten Krankheitstag ein Nachweis des Arztes über die Arbeitsunfähigkeit erforderlich sein kann.

Arbeitgeber benötigt keine Begründung für Attest-Abgabe nach einem Tag

Wer bisher also drei Tage lang das Bett hütete und erst danach eine Krankmeldung abgab, dürfte mit diesem Vorgehen zukünftig auf Schwierigkeiten stoßen. Wichtig zu wissen: Das Bundesarbeitsgericht legte in seinem Urteil (5 AZR 886/11) fest, dass der Arbeitgeber keine Begründung geben muss, wenn er das Attest bereits am ersten Tag verlangt. Allerdings ist das Urteil keine wesentliche Überraschung, entspricht es doch der geltenden Gesetzeslage.

Klarstellung der bisher geltenden Rechtslage

Zwar sind Arbeitnehmer nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet, erst nach dem vierten Kalendertag einen Nachweis des Arztes vorzulegen, doch der Arbeitgeber ist berechtigt, diesen Nachweis schon früher zu verlangen. Deshalb ist das Urteil auch lediglich eine Klarstellung der bisher geltenden Rechtslage – und keine grundlegende wegweisende Neuerung. Ob der Arbeitgeber dies tatsächlich verlangen möchte, bleibt jedoch ihm überlassen, selbst wenn er von Gerichts wegen dazu berechtigt ist.

Frühzeitige Abgabe des Attests sinnvoll?

Beinahe jeder Arbeitnehmer dürfte bereits diese Situation bekannt sein und am eigenen Leib erlebt haben. Ein Schnupfen oder eine Grippe macht die Ausübung der Arbeit unmöglich. Eine solche Erkrankung trifft fast jeden, häufig im Herbst oder im Winter zur Erkältungssaison.

In der Regel helfen bei diesen Erkältungskrankheiten einfach nur Schlafen und die Vermeidung jeglicher Anstrengungen. Der eine oder andere unterstützt die Genesung auch mit medikamentös mit den bekannten Medikamenten, welche Acetylsalicylsäure (ASS) enthalten. Die bekanntesten Anbieter sind hier Aspirin und Paracetamol. Die Einnahme verschafft aufgrund seiner schmerzstillenden, entzündungshemmenden und fiebersenkender Wirkung schnell Linderung.

Da solche Erkrankungen in der Regel mindestens eine Woche anhalten, ist der erkrankte Arbeitnehmer aufgrund der Attest-Regelung gezwungen im erkrankten Zustand nun einen Arzt aufzusuchen. Aus medizinischer Sicht dürfte ein solcher Arztbesuch kaum sinnvoll sein. Der Besuch findet einzig und allein aufgrund der Beschaffung eines Attestes statt. Daneben dürfte der überwiegende Teil der Betroffenen lange Wartezeiten beim Arzt hinnehmen müssen, welche gerade aufgrund der Erkrankung nicht angenehm ist. Arbeitgeber die nun eine Abgabe des Attestes nach bereits einen Tag verlangen, verschärfen diese Situation zusätzlich und suggerieren gegenüber ihren Mitarbeitern ein Verhältnis welches nicht auf Vertrauen beruht.

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