Deutsche Wirtschaft: Kritik an Pflege-Vorsorge

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Aktuelle Pläne zur Pflegereform stoßen beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf massive Kritik.

Dass eine Reform des deutschen Pflegesystems unumgänglich ist, findet bei Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend Verständnis. Doch die aktuellen Pläne zur Pflegereform stoßen beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf massive Kritik. Offenbar sind die Schritte nicht geeignet, das Pflegesystem in Deutschland zu einer leistungsfähigen Versorgung aufzubauen.

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft brachte es ans Licht: Die neuesten Pläne der Bundesregierung sind ungeeignet, um die Pflegeversicherung auf die Zukunft vorzubereiten und generationengerecht zu führen. Als Alternative rät das Institut, die Pflegeversicherung mindestens teilweise kapitalgedeckt zu finanzieren. Bei pessimistischer Einschätzung wird die Zahl der Pflegefälle bis zum Jahr 2050 auf 4,2 Millionen Menschen ansteigen. Selbst bei optimistischer Annahme sollten 3,5 Millionen Menschen zum Pflegefall werden. Auch wenn die Kosten für jeden Pflegefall nicht weiter steigen, dürften die Ausgaben für die Pflegeversicherung bis 2050 auf rund 37,9 Milliarden Euro bei pessimistischer Annahme steigen. Heute liegen die Kosten lediglich bei knapp 22 Milliarden Euro.

Der nun geplante Vorsorge-Fonds will zwar Geld für die Zukunft sparen und gewinnbringend investieren. Doch wenn es nach den Berechnungen des Instituts geht, dürften die Beiträge kaum ausreichen, um die Kosten wirklich sicher zu decken. Auch sei völlig unklar, ob spätere Regierungen nicht auf den Gedanken kommen könnten, diesen Fonds anderweitig zu verwenden. So war es auch bei den Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung bereits geschehen.

Eine Alternative zur geplanten Erhöhung der Beitragssätze auf 2,55 Prozent könnte eine kapitalgedeckte Variante sein. Das bedeutet, die Pflegeversicherung ist nicht länger umlagenfinanziert und wird nicht mehr von der heute berufstätigen Generation für ältere Menschen gezahlt. Vielmehr hätte jede Generation für sich selbst zu sorgen, jede Generation würde ihr Pflegerisiko selbst tragen. Ob sich dieser Vorschlag durchsetzt, bleibt abzuwarten. Nicht zum ersten Mal werden die Vor- und Nachteile der Umlagenfinanzierung und der Kapitaldeckung im deutschen Sozialversicherungssystem diskutiert.

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